Route 76 - es beginnt

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Route 76 - es beginnt

Heute: 91,9 kg. 184 cm. 66 Jahre.

2001 bin ich einen Marathon gelaufen.

Mit 41 Jahren, einer Pace von 5:39 pro Kilometer und einer Zieleinlaufzeit von knapp unter vier Stunden. Laufgewicht: 76 kg.

Der schnellste Kilometer, den ich jemals gelaufen bin, lag bei 5:05.
Das war allerdings kein Talent, sondern Fleiß, Schweiß und die eine oder andere deftige Verwünschung.
Aber es gab auch jede Menge wunderschöne Momente im Wald, bei Sonnenschein und sogar einige bei Schmuddelwetter.
Da ist man wenigstens alleine unterwegs im Wald. Mal abgesehen von den paar Verrückten, die sich ebenso wie ich über die Runde hechelten bei Regen und Matsch.

Also am Ende kein Talent, sondern der Fleiß hat zum Erfolg geführt.
Fleiß schlägt Talent! Meistens.

Und bei mir persönlich:
Die große Angst vor der großen Blamage!
Die schlägt locker den Fleiß. Und scheiß auf diese Sportwunder! ;)

Ich hatte es also allen erzählt. Man kann schlecht zurück, wenn man es allen erzählt hat. Denn ich bin kein Sportler aus Leidenschaft. Das war ich nie und werde es auch in diesem Leben nicht mehr werden. Sport ausüben ist für mich eine lästige Notwendigkeit, direkt auf Rang zwei nach Steuererklärung machen (ich bewundere also Euch Sport-Freaks zutiefst!).

Damals, im Schulsport, als wir diese gefühlt endlose 5-Kilometer-Runde im Stadion absolvieren mussten, hatte ich mich mit zwei, drei Gleichgesinnten hinter dem Hochsprungkasten verschanzt – in der naiven Annahme, dem gestrengen Blick des Sportlehrers zu entgehen.
Am Ende hatten die anderen dann ehrlich ihre fünf Kilometer absolviert und wir durften "nachsitzen" und ein paar Extra-Kilometer drauflegen. Unter Beobachtung. Läuterung durch Sichtbarkeit.
Das war 1976. Ich war 16.

1999 – 23 Jahre nach der Hochsprungkasten-Peinlichkeit – entdeckte ich in einer Buchhandlung Joschka Fischers Buch „Der lange Lauf zu mir selbst" und ich las es an einem Tag durch. Ich war wie elektrisiert!
Mir wurde schlagartig klar: Wenn ein Vollblutpolitiker im Olymp der Bundespolitik 40 Kilo von 112 kg abspecken und dabei noch Marathon laufen kann – was zum Teufel soll dann da meine Ausrede sein?
Damals wog ich 95 kg und hatte deutlich mehr Freizeit als Joschka Fischer.
Dieses Argument war kaum zu entkräften.

76 Kilogramm – das ist wieder das Ziel. Nicht weil irgendjemand das empfohlen hat, sondern weil ich weiß, wie sich das anfühlt.

1981, Offiziersausbildung inklusive Mini-Überlebenslehrgang in Schongau. Täglich gedrillt, mit Gepäck auf dem Rücken und in Kampfstiefeln. Da wog ich 68 Kilogramm.
Dieses Gewicht empfand ich dann doch als zu wenig. Und hatte auch kaum Muskeln. Ich hasse Kraftsport!
Aber irgendwo zwischen 68 und dem bisherigen Höchststand von 95 liegt eine Zahl, bei der dieser Körper funktioniert, wie er soll.
Und diese Zahl heißt 76.

Meine Strecke heißt also Route 76.
Ewig lang im Wechselspiel von wunderschönen Eindrücken und Erlebnissen und nicht endend wollender Eintönigkeit, die Dich immer wieder zum Aufgeben überreden will ...

Nicht Route 66 – die ist verbraucht, überlaufen, und hat bessere PR als ich.

15,9 Kilogramm von hier bis dort.
Ohne Gesicht vor der Kamera.
Ohne Coaching (außer der liebevollen Unterstützung meiner Ehefrau, Partnerin und besten Freundin. Danke Dir, Schatz!).

Herzfrequenzkurven, GPS-Tracks und die wöchentliche Waage ...
Die lügt nämlich nicht!

Ich wende wieder meine bewährte Methode an: Ich erzähle es Euch allen.

Foto von Martin Sanchez auf Unsplash

Angefangen hier.
Nächster Tankstopp auf meiner Route 76: 89 kg.